Australische Homöopathie-Studie: „Eine Täuschung der Öffentlichkeit“

Gesundheitspolitische Informationen 05/2017:

Der Direktor des Londoner Homeopathy Research Institut (HRI), Dr. Alexander Tournier, erhebt schwere Vorwürfe gegen den staatlichen Forschungsrat Australiens und wirft ihm „Täuschung der Öffentlichkeit“ vor. Der Nationale Rat für Gesundheit und medizinische Forschung (National Health and Medical Research Council, NHMRC) hatte vor zwei Jahren eine Übersichtsstudie (Review) zur Homöopathie mit dem Ergebnis veröffentlicht, Homöopathie wirke nicht besser als Placebo. Diese Aussage ging auch in Deutschland durch viele Medien und wurde als ein Beleg für die angebliche Unwirksamkeit der Homöopathie angeführt.

„Die Ungenauigkeiten im Bericht des NHMRC sind so extrem“, erklärt Tournier, „dass wir uns dazu entschlossen haben, eine gründliche Untersuchung durchzuführen, die die Hintergründe aufdeckt“. Das HRI hat eine Beschwerde bei einer offiziellen Commonwealth-Stelle eingelegt und aktuell erste Ergebnisse seiner Recherche veröffentlicht. „Es ist ungeheuerlich, dass mit derart verzerrten Daten weltweit politische Meinungsbildung betrieben wird“, sagt Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). „Wenn sich dieser schwere Verdacht weiter erhärtet, ist das ein handfester Skandal: Auch der deutschen Öffentlichkeit, universitären Einrichtungen und den politischen Entscheidungsträgern wurde auf diese Weise suggeriert, die Homöopathie sei angeblich eine Placebo-Medizin. Die korrekte Studienlage, die deutlich die Wirksamkeit der homöopathischen Therapiemethode belegt, wird einfach verschwiegen“, so Bajic weiter.

Zentrale Ergebnisse der HRI-Recherche sind:

  • Das Review wurde zweimal durchgeführt, was bisher unbekannt war. Da das erste Review nicht die gewünschten Ergebnisse gezeigt hatte, wurde ein zweites erstellt.
  • Die Existenz des ersten Berichtes wurde der Öffentlichkeit nie mitgeteilt, sondern erst durch eine Anfrage entsprechend dem australischen Informationsfreiheitsgesetz aufgedeckt.
  • Der NHMRC hatte veröffentlicht, das Review basiere auf mehr als 1.800 Studien. Tatsächlich wurden jedoch nur 176 Studien begutachtet. Von diesen 176 Studien wurden 171 vom Review ausgeschlossen. Gründe dafür waren, dass sie entweder nicht in englischer Sprache verfasst waren oder weniger als 150 Teilnehmer hatten. Es blieben letztlich nur 5 Studien, auf denen das Review basiert.
  • Diese Kriterien sind nicht nachvollziehbar und wurden vom NHMRC bei keinem anderen Review angewendet. Das NHMRC führt selbst Studien mit unter 150 Teilnehmern durch.
  • Der Vorsitzende des NHMRC-Ausschusses, der das Review verantwortet, ist Mitglied der politischen Lobby-Gruppe „Friends of Science in Medicine“ (FSM), die sich aktiv gegen die Homöopathie einsetzt. Trotzdem unterzeichnete der Vorsitzende eine „Declaration of Interest“, die besagt, dass er nicht mit einer Organisation verbunden sei, „die sich für oder gegen die Homöopathie einsetzt“.
  • Es wurde bei der Erstellung des Reviews gegen die NHMRC-eigenen Regeln verstoßen, auch gegen die, dass zumindest ein Experte – in diesem Fall ein Homöopathie-Experte – dem Ausschuss angehören müsse.

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